2. Juni 2021

In Österreich wird im Jahr 2021 die Förderung für Photovoltaikanlagen durch das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) komplett neu aufgestellt. Es bietet Betreibern und Investoren viele attraktive Möglichkeiten.

Nach mehreren Jahren der Vorbereitung dürfte es im Jahr 2021 endlich so weit sein: das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) ersetzt das Ökostromgesetz und stellt die Förderung für Erneuerbare Energien inklusive Photovoltaik in Österreich auf neue Beine. Der letzte Gesetzesentwurf wurde im März im Ministerrat beschlossen, bis zum Sommer soll der parlamentarische Prozess abgeschlossen sein, die notwendige Zwei-Drittelmehrheit ebenso wie die Freigabe der EU-Kommission vorliegen. Die Höhe der Fördersätze wird in Verordnungen geregelt, die dann im Anschluss erlassen werden sollen. Optimisten hoffen auf eine erste Fördervergabe im Herbst 2021, Realisten rechnen eher mit Ende 2021.

Die Gesetzestexte stehen im Internet zur Verfügung, die wesentlichen rechtlichen Eckpunkte wurden von der PV Austria oder Rechtsanwaltskanzleien analysiert und übersichtlich aufbereitet. Wir versuchen die wesentlichen Änderungen aus Sicht von Betreibern und Investoren zusammenzufassen und aufzuzeigen, welche attraktiven Umsetzungs- und Geschäftsmodelle sich daraus für Photovoltaik-Großanlagen ergeben. Die wichtigsten Neuerungen sind in der folgenden Abbildung zusammengefasst:

Endlich ausreichend Förderungen für PV-Anlagen in Österreich

Das Erneuerbaren Ausbau Gesetz führt zu einer deutlichen Ausweitung der verfügbaren Fördermittel für PV-Anlagen, die auch notwendig ist, wenn die ambitionierten Ausbauziele in Österreich bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. Die Marktprämie, die den Einspeisetarif ablöst und deren Höhe über ein Ausschreibungssystem bestimmt wird, steht für mindestens 700 MWp zur Verfügung. Die 700 MWp übersteigen das derzeitige jährliche Ausbauvolumen von PV-Großanlagen um mehr als das doppelte, hinzu kommt noch ein aufgestockter Topf für Investitionsförderungen, die nun für Anlagengrößen von bis zu 1.000 kWp zur Verfügung stehen. Das Ziel ist, dass jedes entwickelte Projekt auch tatsächlich realisiert werden kann und das Fördersystem für Betreiber und Investoren berechenbarer wird.

Attraktive Förderungen für Photovoltaik-Großanlagen

Die Größenbeschränkung von 200 kWp ist endlich gefallen! Bisher stand die Tarifförderung lediglich für PV-Anlagen mit einer Größe von bis zu 200 kWp zur Verfügung. Dies hat dazu geführt, dass bei Volleinspeiseanlagen (Anlagen, die den gesamten Strom ins öffentliche Netz einspeisen) mehrere PV-Anlagenblöcke nebeneinander errichtet wurden, die im Vergleich zu einer Großanlage in der Errichtung teurer waren. Bei Überschusseinspeiseanlagen, die einen Unternehmensstandort mit Strom versorgen, war der Bau mehrerer Anlagenblöcke technisch nicht möglich, daher wurden diese meist kleiner als möglich errichtet und wertvolles Dachflächenpotenzial blieb ungenutzt. Im EAG gibt es bei der Tarifförderung gar keine Größenbeschränkung mehr, Investitionsförderung wird für Anlagen mit einer Größe von bis zu 1.000 kWp vergeben, Anlagenerweiterungen werden ermöglicht.

Förderung für Photovoltaik auf baulichen Anlagen und versiegelten Flächen

Die ÖMAG-Tarifförderung stand bisher nur für PV-Aufdachanlagen zur Verfügung, bei der ÖMAG-Investitionsförderung war auch eine Förderung von PV-Anlagen auf befestigten Flächen mit einer Größe von bis zu 500 kWp möglich. Im Erneuerbaren Ausbau Gesetz wird das Flächenpotenzial nun deutlich erweitert. So sind PV-Anlagen auf baulichen Anlagen wie Zäunen oder Parkplatzüberdachungen und PV-Anlagen auf befestigten Flächen, Deponien und Eisenbahnanlagen mit konventionellen PV-Aufdachanlagen gleichgestellt. Dies ermöglicht insbesondere auf ehemaligen Industrie- und Gewerbeflächen oder Deponien sehr attraktive Umsetzungsmodelle, allerdings ist das reale Flächenpotenzial in diesem Bereich gering. Bei Deponien gibt es technische und rechtliche Herausforderungen, die speziell auf Abfalldeponien PV-Projekte deutlich erschweren. PV-Anlagen auf Eisenbahnanlagen bleiben wohl im Wesentlichen den ÖBB vorbehalten.

Förderung für Photovoltaik auf Freiflächen in Österreich

Die radikalste Neuerung im EAG ist aber, dass PV-Anlagen auf Freiflächen, also auf bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen oder Flächen im Grünland, gefördert werden, sofern sie eine speziell für die Errichtung einer PV-Anlage vorgesehene Widmung aufweisen. Dies ist der entscheidende Punkt: Während der Fördergeber PV-Freiflächenanlagen grundsätzlich zulässt, bleibt die Entscheidung der Widmung bei Gemeinden und Ländern. Die Bundesländer gehen derzeit sehr restriktiv mit Widmungen um, während beispielsweise in Oberösterreich und Kärnten PV-Freiflächenanlagen generell nicht erwünscht sind, widmet das Burgenland Flächen nur dann um, wenn mit der Energie Burgenland der Landesenergieversorger Projektwerber ist (zum Thema Widmung siehe unseren Artikel zu PV-Freiflächenanlagen in Österreich). Im EAG ist als Lenkungsmaßnahme in Richtung PV-Aufdachanlagen ein Förderabschlag von 25% für Freiflächenanlagen vorgesehen – sowohl bei der Tarifförderung als auch bei der Investitionsförderung.

Tarifförderung oder Investitionsförderung für PV-Großanlagen

Im Ökostromgesetz wurden Photovoltaikanlagen über eine Kombination aus einer einmaligen Investitionsförderung und einem laufenden Fördertarif über 13 Jahre gefördert (zusätzlich gab es in den letzten Jahren noch einen Investitionsfördertopf). Zukünftig können sich die Betreiber von Photovoltaik-Großanlagen zwischen einer reinen Tarifförderung und einer reinen Investitionsförderung für Anlagen bis 1.000 kWp entscheiden. Bei Eigenversorgungsanlagen mit einer geringen Rückspeisung wird sich ein Betreiber für die Investitionsförderung entscheiden, die Tarifförderung wird primär den Volleinspeiseanlagen vorbehalten bleiben.

Photovoltaik Aufdach Vöcklamarkt 1600 kWp

Tarifförderung für PV-Volleinspeiser über Ausschreibungen

Die Höhe des Fördertarifs, definiert als die „Marktprämie“, wird zukünftig wettbewerblich über ein Ausschreibungssystem bestimmt. Aus derzeitiger Sicht sollen mindestens 700 MWp pro Jahr ausgeschrieben werden, verteilt auf mindestens zwei Ausschreibungsrunden. Im Zuge der Ausschreibung werden alle Gebote mit geplanter Leistung und gebotenem Tarif (der über eine Dauer von 20 Jahren ausbezahlt wird) gesammelt und die Fördermittel auf die niedrigsten Gebote verteilt.

Das Ausschreibungssystem bietet Investoren attraktive Möglichkeiten, das Volumen ist mit 700 MWp pro Jahr sehr groß. Da bei der Abrechnung der Marktprämie lediglich die Engpassleistung (kW-AC-seitig) herangezogen wird, muss auch nur für diesen Teil um Tarif angesucht werden (siehe §11 Abs. 4 EAG zur Berechnung der Marktprämie). Um zu vermeiden, dass es bei einer zu geringen Teilnahme an der Ausschreibung zu einer Überförderung kommt, werden Höchstpreise per Verordnung festgelegt. Die Marktprämie bietet den Anlagenbetreibern eine Absicherung nach unten und ermöglicht so günstige Bankfinanzierungen. Steigen die Strompreise über das gebotene Niveau hinaus, profitieren die Anlagenbetreiber davon und können deutliche Mehrerträge erzielen. Bei PV-Anlagen > 1 MW muss bei Preisanstiegen von 40% ein Teil des Mehrertrags zurückgezahlt werden.

Das System stellt aber insbesondere private Betreiber („Amateure“) vor Herausforderungen:

  • Bei Stellung des Förderantrags müssen alle Genehmigungen und die Netzzusage vorliegen, d.h. es sind erhebliche Vorleistungen notwendig, die verloren sind, wenn kein Zuschlag erhalten wird
  • Für die Teilnahme an der Ausschreibung muss eine erhebliche Sicherheitsleistung erbracht werden, nämlich 5 EUR/kWp bei Gebotsabgabe und weitere 45 EUR/kWp bei Zuschlag. Diese Sicherheitsleistung verfällt, wenn die PV-Anlage nicht innerhalb eines Jahres in Betrieb genommen wird
  • Der Strom muss selbst vermarktet werden, die Förderstelle zahlt die Differenz zwischen ermitteltem Marktpreis und gebotenem Fördertarif aus; d.h. man benötigt für die Vermarktung einen Handelspartner und es fallen Vermarktungskosten an

Investitionsförderung für PV-Eigenverbrauchs- / Contracting-Anlagen

Für Photovoltaikanlagen mit einer Leistung bis 1.000 kWp stehen Investitionsförderungen zur Verfügung. Auch hier ist eine wettbewerbliche Bestimmung des Förderniveaus vorgesehen, da Förderwerber bei Stellen des Förderantrags ihren Förderbedarf angeben müssen, und die Anträge nach diesem gereiht werden. Wie stark das wettbewerbliche Prinzip zum Tragen kommt, wird sich zeigen, da auch hier das Fördervolumen mit 60 Mio. EUR ausreichen sollte. Fördervergaben finden ebenfalls mindestens zwei Mal im Jahr statt und die Höchstwerte werden in der Verordnung festgelegt. Bei Investitionsförderungen ist zu beachten, dass die Förderung gemäß der AGVO nicht mehr als 45% der umweltrelevanten Mehrkosten betragen darf. Letztere wurden bisher nicht veröffentlicht, bei der Photovoltaik wurden aber Kosten- und Preisniveaus erreicht, bei der dieses Kriterium im Vergleich zu einer maximalen Förderhöhe von z.B. 200 EUR/kWp schlagend werden kann.

Förderung für die Erweiterung bestehender PV-Anlagen

Wie bereits oben erwähnt, wurden unter dem alten Ökostromgesetz PV-Anlagen insbesondere im Bereich der Eigenversorgung zu klein errichtet. So wurden 200-kWp-Anlagen auf Dachflächen > 10.000 m2 realisiert, eine Erweiterung war rechtlich nicht möglich bzw. hätte zu einer Rückzahlung der früheren Förderung geführt. Diese PV-Anlagen können im EAG erweitert werden. Ein großer Stromverbraucher kann es sich zukünftig überlegen, in mehreren Schritten deutlich größere Kapazitäten zu errichten. Aufgrund der mindestens zwei Fördervergaberunden pro Jahr ist dies auch in kürzeren Intervallen möglich.

Förderung für Innovative Anlagen und Doppelnutzungskonzepte

Bei der Investitionsförderung für PV-Anlagen bis 1.000 kWp ist derzeit ein Aufschlag von bis zu 30% für innovative PV-Anlagenkonzepte vorgesehen, so können Anlagenkonzepte wie Floating PV oder voraussichtlich Carports zukünftig wirtschaftlich realisiert werden. Bei Tarifanlagen ist im derzeitigen Gesetzesentwurf leider kein solcher Aufschlag vorgesehen, was aber zu begrüßen wäre. So könnte beispielsweise auch bei großen Parkplätzen oder ungenutzten Schotterseen ohne Stromverbrauch in unmittelbarer Nähe das volle Flächenpotenzial für die PV-Stromerzeugung genutzt werden.

Steigerung der Akzeptanz der PV durch Erneuerbare Energie Gemeinschaften

Eine Hürde der Energiewende, insbesondere bei der Realisierung von großen PV-Freiflächenanlagen in Österreich, ist die oft fehlende Akzeptanz der Bevölkerung. Die neu geschaffenen Erneuerbaren Energie Gemeinschaften sollen durch die stärkere Einbindung der Bevölkerung eine breitere Unterstützung für die Energiewende und die Realisierung von PV-Anlagen schaffen. Bürger können sich an diesen Gemeinschaften beteiligen und den Strom aus den PV-Anlagen zu Erzeugungskosten beziehen, auch über das öffentliche Stromnetz hinweg. Denkbar sind Partnerschaftsmodelle mit Gemeinden, die eine Erneuerbare Energie Gemeinschaft gründen, ihre Bürger aktiv ansprechen und einbeziehen. Ein professioneller Partner errichtet und betreibt die PV-Anlage und verpachtet die Anlage an die Gemeinschaft („Contracting“). Die Gemeinschaft selbst darf nicht auf Gewinn ausgerichtet sein. Die größte Herausforderung ist sicher die Abwicklung und die Abrechnung, es muss sich erst in der Praxis zeigen, wie relevant das Modell sein wird.

Photovoltaik und Landwirtschaft

Neuigkeiten im ElWOG für PV-Großanlagen

Ein kritischer Punkt bei der Realisierung einer PV-Großanlage ist der Netzanschluss. Einerseits kann er ein technischer Ausschlussgrund sein, wenn das Netz an bestimmten Stellen die PV-Leistung nicht mehr aufnehmen kann, andererseits verhindern nicht nachvollziehbar hohe Netzanschlusskosten in manchen Fällen eine wirtschaftliche Anlagenerrichtung. Im überarbeiteten ElWOG sind einige Anpassungen vorgesehen, wobei sich erst zeigen muss, wie die Vorgaben in der Praxis umgesetzt werden:

  • Transparenz: Netzbetreiber müssen je Umspannwerk verfügbare und gebuchte Kapazitäten veröffentlichen und quartalsweise aktualisieren
  • Kapazitätsbuchungen: Netzkapazitäten können innerhalb eines Monats ab Beantwortung des Netzzutrittsantrags durch Leistung einer Anzahlung reserviert werden, die Reservierung erlischt und die Anzahlung verfällt nach einem Jahr
  • Pauschales Netzzutrittsentgelt: in Abhängigkeit der Engpassleistung der PV-Anlage wird ein pauschales Netzzutrittsentgelt definiert, das nur bei deutlicher Überschreitung der Ist-Kosten erhöht werden kann

Zusammenfassung: Das EAG schafft attraktive Rahmenbedingungen für PV-Großanlagen in Österreich

Die Förderung von Erneuerbaren Energien ist ein kontroverses Thema, manchen kann die Energiewende nicht schnell genug gehen, andere würden am liebsten gar keine Förderungen auszahlen. Hinzu kommt, dass sich die unterschiedlichen Technologien wie Wind, PV, Biomasse und Wasserkraft teilweise im Wettbewerb befinden und unterschiedliche Ziele verfolgen. Auch im Bereich der Photovoltaik gehen die Interessen auseinander, so beschwert sich der reine Flächen-Akquisiteur, dass der Abschlag von 25% für die Freiflächenanlagen im Vergleich zu den Aufdachanlagen zu groß ist.

Wir sind überzeugt, dass das Erneuerbaren Ausbau Gesetz ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist. Es wird in den nächsten Jahren zu einem deutlichen Ausbau der Photovoltaik in Österreich führen, und zwar über alle Anwendungsformen hinweg, von PV-Aufdachanlagen und PV-Anlagen auf vorbelasteten Flächen über PV-Freiflächenanlagen bis zu innovativen Konzepten wie Floating-PV. Das gilt für Neuerrichtungen gleichermaßen wie für die Erweiterung bestehender Anlagen.

Wir als Unternehmen sehen uns als Komplettanbieter von Photovoltaik-Großanlagen und können gemeinsam mit unseren Kunden jedes technische und wirtschaftliche Anlagenkonzept umsetzen. Das Erneuerbaren Ausbau Gesetz bietet ein geeignetes Fördermodell für jedes Umsetzungsmodell, gerne besprechen wir mit Ihnen die Möglichkeiten und bereiten die für Sie relevanten Optionen auf.

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